Manfred Bender - "Herkulesaufgabe mit dem besonderen Reiz"

"Herkulesaufgabe mit dem besonderen Reiz"

Von Jörg Daniels

Manfred BenderAuf imaginärer Autofahrt mit Manfred Bender. Von München nach Karlsruhe, wo er einst Fußball gespielt hat. So wie der neue Geschäftsführer Sport der Offenbacher Kickers die Strecke zurücklegen würde, wenn er tatsächlich am Steuer seines Wagens säße. „Ich würde vielleicht bei Stuttgart kurz mal die Autobahn verlassen“, sagt er. „Aber ich darf nicht in Nürnberg rauskommen.“ Möglichst schnell zum Ziel zu kommen und ohne Umwege Ergebnisse zu erzielen – das ist das Motto von Bender. Eines  Menschen, der sich für geradlinig hält und für den Ehrlichkeit und korrektes Auftreten wichtige Eigenschaften sind. So muss Bender  ein angenehmer  Chef und unkomplizierter Mitarbeiter sein.

Ein Bayer in Offenbach: Seit dem 20. März steuert der gebürtige Münchner regelmäßig den Bieberer Berg an, auf dem er nun das Fußballgeschäft lenkt. Oft vom Schreibtisch aus oder mit dem Handy am Ohr. Aber immer im direkten Kontakt mit Trainer Rico Schmitt, seinem Geschäftsführerkollegen David Fischer oder  Präsident Frank Ruhl. Der hat den neuen, leitenden Mitarbeiter gleich mit reichlich Vorschusslorbeeren unter Druck gesetzt.  Schließlich verleihe Bender dem wirtschaftlich und sportlich gebeutelten Traditionsverein das „Sieger-Gen“, so der Präsident bei der Präsentation des neuen, prominenten Mutmachers. Den großen  Worten müssen aber  noch Taten folgen.  
Hat sich Bender auf dem Weg nach Frankfurt verfahren, wird sich mancher  gedacht haben, als der neue Sportchef in Offenbach ankam.  229 Bundesliga-Spiele für Bayern München, Karlsruhe und 1860 München hat er in seiner Karriere bestritten. Bender, der auch für die Spielvereinigung Unterhaching am Ball war, ist wohl der einzige Münchner Ex-Profi, der bei allen drei namhaften Vereinen in der bayerischen Landeshauptstadt beschäftigt war. Trotz seiner Kontakte ereilte ihn nie der Ruf, als es später darum ging, in den Klubs einen Trainerposten zu besetzen oder jemand fürs Management zu finden. Mit Bayern-Präsident Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer habe es immer mal Small-Talk auf der Tribüne gegeben, sagt Bender. 2005, im ersten Jahr der Allianz-Arena, hat er sich jedes Heimspiel von Bayern und 1860 München angeschaut. Heute ist das traditionsreiche Golf-Benefizturnier der Bayern jeweils vor dem Saisonstart die Konstante, die ihn mit dem deutschen Meister noch verbindet. Bender, der mit seiner Frau und den beiden Kindern in Ismaning in unmittelbarer Nähe der Münchner Arena lebt, gewann mit den Bayern 1990 die Meisterschaft. Zwei Jahre später ging er in einem Tauschgeschäft zum KSC – für ihn wechselte Mehmet Scholl nach München.

Dort hat sich Bender nie für eine neue Aufgabe beworben. Der 46-Jährige, der 2008 seine Ausbildung zum Fußballlehrer gemacht hat, will auch keiner sein,  der sich ins Gespräch bringt. Ganz zu schweigen davon, dass er sich bei einem potentiellen Arbeitgeber anbiedern würde. „Es gibt viele, die auf jeden Zug aufspringen, die ihren Namen im Geschäft halten wollen.“ Bender würde als Trainer nur bei einem Klub mit Perspektive anfangen. Aber nicht in der Regionalliga, diese Spielklasse findet er „uninteressant“. So blieb es bisher bei zwei Engagements: Zum einen betreute  Bender den SC Rheindorf Altach in der zweiten österreichischen Liga. Außerdem war er Assistenztrainer der nigerianischen U 20-Nationalmannschaft, mit der er 2011 Afrikameister wurde. Was für ein Abenteuer in der Ferne! Bender erinnert sich gerne an das „entspannte“ Arbeiten. Im Hinblick auf die Weltmeisterschaft im Juni in der Türkei hätte er seine Tätigkeit für die nigerianische Nachwuchsmannschaft fortsetzen können. Doch noch bevor sich Bender mit den Kickers einig wurde, sagte er dem Verband ab.

Wiedersehen macht Freude:  Überall, wo er mal gespielt habe, werde er herzlich begrüßt. Bender ist immer im Guten gegangen. Das Beste aus sich herausgeholt hat er aber wohl nicht immer. Mancher verpasste ihm das Etikett des schlampigen Genies. Für Bender, der einst von Bayern-Trainer Jupp Heynckes bei einem Spiel der Bayern-Amateure gegen Unterhaching entdeckt worden war,   ist das aber Schubladendenken. Und das mag er nicht. In der Nachbetrachtung findet Bender, dass er das eine oder andere Länderspiel verdient gehabt hätte – als ein Mittelfeldspieler, der in 100 Bundesliga-Partien für den KSC knapp 30 Tore erzielt hatte. Und der damals im  DFB-Pokalfinale und im Halbfinale des UEFA-Pokals stand. Aber die Nationalmannschaft sei zu seiner Zeit „zementiert“ gewesen, sagt Bender. „Wenn ich fünf Jahre später geboren worden wäre, wäre ich vielleicht zigfacher Nationalspieler.“ Thorsten Fink, der heutige HSV-Trainer, war lange ein sehr guter Freund von Bender – bis sich Fink plötzlich nicht mehr gemeldet hat.

Eine  Rückkehr in  neuer Funktion bei seinen  früheren Vereinen hat es für Bender   nicht gegeben. Mit den Kickers war es schon einmal im Jahr 2000 zu einem losen Kontakt  gekommen. Lars Schmidt, der frühere OFC-Trainer und Spieler, hatte sich bei Bender über dessen Wechselmöglichkeit erkundigt. Verhandlungen wurden dann aber nicht geführt. Anders als in den vergangenen Monaten, als ein Bekannter von ihm, der Sponsor beim OFC ist, den Kontakt zum abstiegsgefährdeten Drittliga-Klub hergestellt hatte. Heute hingegen  erachten beide Seiten die Zusammenarbeit für sinnvoll. Das Gehalt von Bender soll  ein Gönner des Klubs übernommen haben.  
Warum jetzt? Andere hätten sicherlich die Finger von der  Aufgabe bei den hochverschuldeten Kickers gelassen. Doch Bender hat sich entschieden, in schwerer Zeit mit anzupacken. Er  sieht eine Perspektive – die,  in Zukunft aus wenig viel zu machen. Mit dem Ziel, den OFC  sportlich endlich den  entscheidenden Schritt voranzubringen. Dem ehemaligen Trainer Wolfgang Wolf oder Weltmeister Andreas Möller als Sportmanager ist das nicht gelungen – und das, obwohl damals wesentlich mehr Geld zur Verfügung gestanden hatte.  Doch das wohl auf Kosten der Zukunft. Mit der im Vergleich besorgniserregenden  Gegenwart muss sich nun Bender auseinandersetzen.

Ein gewisses Risiko geht der gelernte Kfz-Mechaniker mit seiner neuen Aufgabe ein. Sie könnte vor allem ein schnelles Ende finden. Dann, wenn die Kickers einen Insolvenzantrag stellen müssten. Oder der Verein nicht die Lizenz für die dritte Liga bekäme. Auch die  Abstiegsgefahr ist noch nicht gebannt. Ohne Perspektive in Offenbach würde Bender auf direktem Weg nach München zurückkehren – und die freie Zeit  dazu nutzen,  den einen oder anderen Tag auf seiner Hütte im Zillertal, die er gepachtet hat,  zu relaxen. Er fährt gerne Ski oder klettert in den Bergen. Das Mountainbikefahren  hat es ihm ebenfalls angetan. Schon seine Eltern hatten eine Hütte in der Nähe von Kitzbühel.

Im Erfolgsfall hätte er auf  Managementebene  die Plattform Offenbacher Kickers zum Wiedereinstieg in den deutschen Fußball genutzt. Einen anderen Weg, als mit Talenten zu sportlicher Stabilität zu finden, können die Offenbacher momentan nicht bestreiten. Bender will nun der Wegbereiter dafür sein, dass der Klub die richtigen Spieler  findet. Den Trainerposten beim OFC würde er höchstens übergangsweise für ein oder zwei Spiele übernehmen. „Ich werde hier nicht Trainer. Das kann ich konsequent ausschließen“, sagt Bender. Und weiter: „Ich hätte das gerne bei den Bayern gemacht. Doch der Posten war vergeben.“ Bender lacht. Dann wäre er ohne Umwege in der Königsklasse gelandet. Und im Schnellverfahren vermutlich ein Traum wahr geworden.

Bruno Hübner – der bodenständige Arbeiter

Bruno Hübner – der bodenständige Arbeiter


Bruno HuebnerRuhige Arbeitstage kennt Bruno Hübner nicht, seit dem er Sportmanager bei Eintracht Frankfurt ist. Sein Terminkalender ist immer gut gefüllt. Bis Ende Januar lief die Wintertransferperiode, Spieler mussten verkauft und neue geholt werden. Wer gedacht hat, dass es danach etwas ruhiger werden würde, hat diesen Job noch nicht gemacht. In diesen Tagen schweift der Blick des Sportmanagers oftmals schon über das Saisonende hinaus. Die Zukunft wird geplant und besprochen. Vertragsgespräche mit Spielern und dessen Beratern stehen an. Plötzlich ist auch die Diskussion über die Zukunft von Armin Veh wieder neu entbrannt. Kaum ist eine Baustelle geschlossen, tut sich eine neue auf. Und zwischendurch muss der 52-Jährige auch noch zahlreiche Interviews führen. Hübner nimmt sich gerne Zeit dafür. Er kennt die Mechanismen der Branche und weiß, wie wichtig es ist, auch die Medien zu bedienen.

Hübner genießt seine neue Aufgabe bei der Eintracht und geht darin voll auf. Es ist die mit Abstand größte Herausforderung seiner Karriere bisher. Über ein Vierteljahrhundert sind vergangen seit dem Tag, an dem sich das Leben des damals 25-Jährigen Stürmers in Diensten des 1.FC Kaiserslautern grundlegend veränderte. Eine schwere Hüftverletzung bedeutete das vorzeitige Ende der eigenen sportlichen Laufbahn – nach 76 Bundesligaspielen und 19 Toren für die „Roten Teufel“. „Die Diagnose war für mich ein harter Schlag, da ich von heute auf morgen den Traum von meiner Fußballerkarriere beenden musste“, blickt Hübner zurück. 1986 war das und Hübner stand vom einen auf den anderen Tag als Sportinvalide ohne Berufsausbildung auf der Straße. „Über meinen Freundeskreis kam durch Zufall der Kontakt zu Heinz Hankammer, Vorsitzender des damals in der A-Liga (!) beheimateten SV Wehen und Gründer des Wasserfilterherstellers Brita, zustande.“ Hankammer bot Hübner an, als Hobbyfußballer für seine Wehener in der Kreisliga zu kicken und gleichzeitig in seiner Firma eine Ausbildung zum Industriekaufmann zu absolvieren. „Da wir sofort auf einer Wellenlänge lagen und ich die Möglichkeit zu einer Berufsausbildung bekam, sagte ich in Wehen zu.“

Halberg statt Betzenberg, Kreisklasse statt Bundesliga. Hübner war plötzlich in einer neuen Welt angekommen. „Hankammer hatte damals schon Visionen mit seinem SV Wehen. Dies war für mich mit einer der Gründe, den Schritt in den Taunus zu machen. Denn auch wenn ich keinen konkreten Karriereplan hatte, hoffte ich schon damals, den Weg als Funktionär zurück in den Profifußball zu finden.“ Was folgte, war eine rasante Entwicklung – sowohl für den kleinen Taunusverein als auch für Bruno Hübner. Schon 1989 stiegen die Wehener bis in die Oberliga Hessen auf, 1996 gelang der Sprung in die Regionalliga. Während sich Spieler auf dem Halberg die Klinke in die Hand gaben, hießen die Konstanten des Klubs immer Hankammer und Hübner, der mehr und mehr zur rechten Hand des Machers wurde. Als Spieler, Co-Trainer, Trainer, Manager und Vizepräsident bekleidete er nach und nach fast jede Position in dem kleinen Klub. Und parallel arbeitete Hübner weiter an seiner beruflichen Karriere bei Brita, wo er nach einigen Jahren als Vertriebsleiter das Europageschäft mit verantwortete.

Die insgesamt 21 Jahre in Wehen von 1986 bis 2007 bewertet Hübner im Rückblick als „wunderbare und sehr prägende Zeit. Ich habe in Wehen das Fußballmanagementgeschäft von der Pike auf lernen dürfen. Und da ich mich nicht nur um die sportlichen Belange kümmern musste, sondern als Manager und Vize-Präsident auch Verantwortung für den Klub als Ganzes tragen durfte, habe ich dort unheimlich viel mitgenommen.“ Ab 2004 kümmerte sich Hübner in Vollzeit nur noch um den SV Wehen, der nicht zuletzt durch die Unterstützung von Mäzen Heinz Hankammer in den Profifußball strebte. 2007 war es dann soweit. Als souveräner Meister der Regionalliga Süd stieg der Klub aus dem Taunus in die 2. Liga auf. Für Hübner endete die Amtszeit dann schlagartig. „Es war damals natürlich sehr schade, den Klub in der 2. Liga zu verlassen, nachdem ich den Weg von der A-Klasse bis in den Profifußball mit begleiten durfte. Umstrukturierungen im Verein machten diesen Schritt leider unumgänglich“, blickt Hübner zurück. Die Verantwortung für den Klub hatte mittlerweile Markus Hankammer, der Sohn von Heinz Hankammer, übernommen.

Hübner und der Profifußball machten im Anschluss nur eine kurze Pause voneinander. Anfang 2008 wechselte er damals zum abgeschlagenen Tabellenschlusslicht der Fußball-Bundesliga nach Duisburg. Dreieinhalb Jahre war er an der Wedau tätig. „Auch Duisburg war für mich eine sehr prägende Zeit. Der Klub hatte schon damals mit schwierigen finanziellen Bedingungen zu kämpfen und musste andererseits die meist sehr hohen Erwartungen des Umfelds erfüllen.“ Dieser Spagat wurde von Hübner gut gemeistert. In seiner Amtszeit spielte der Verein immer in der oberen Tabellenhälfte mit und erreichte als Zweitligist im Mai 2011 sogar das Pokalfinale in Berlin. Ohne vier wichtige Stammspieler war der MSV gegen den höherklassigen Reviernachbarn Schalke 04 jedoch chancenlos und verlor mit 0:5.

Hübner erinnert sich nicht nur auf Grund des Pokalhighlights in Berlin noch gut an diese Tage. „48 Stunden vor dem Finale erhielt ich einen überraschenden Anruf von Heribert Bruchhagen, dem Vorstandsvorsitzenden von Eintracht Frankfurt. Der Verein war gerade aus der Bundesliga abgestiegen und Heribert bot mir die Position des Sportmanagers an.“ Wenn Hübner dies erzählt, merkt man noch heute, dass dieses Angebot sein Herz höher hat schlagen lassen. „Die Eintracht war und ist natürlich noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Ich bekam die Chance, den neuen Trainer mit auszusuchen und eine komplette Mannschaft für den Wiederaufstieg zusammenzustellen“, erzählt Hübner noch heute mit einem ganz besonderen Zungenschlag. Neben der sportlichen Komponente seien für ihn als Familienmensch auch die privaten Umstände sehr wichtig gewesen. Und die Aufgabe in Frankfurt bot ihm die Möglichkeit, wieder zurück in den Taunus zu seiner Familie zu ziehen. „In der Heimatregion arbeiten zu dürfen, ist für mich ein echtes Stück Lebensqualität“, betont der Vater von drei erwachsenen Söhnen.

Wenn es indes noch einen Beweis für die Fußballkompetenz von Bruno Hübner bedarf, sind die drei Jungs wohl der beste Beleg dafür. Denn alle drei haben den Sprung in den Profifußball geschafft. Benjamin (23) spielt derzeit beim Zweitligisten VfR Aalen, Florian (22) steht im Kader der U23 von Borussia Dortmund. Christopher (26), der älteste Sohn, spielte bis Sommer 2012 in der 3. Liga für Darmstadt 98 und lässt es mittlerweile in der Verbandsliga, beim SV Wiesbaden, fußballerisch etwas ruhiger angehen. Drei Söhne, dreimal Profifußball – eine wahrlich beeindruckende und wohl fast einmalige Bilanz. Bruno Hübner ist verständlicherweise „stolz auf seine Jungs“. Die Gespräche mit ihnen helfen ihm auch in seiner täglichen Arbeit. „Ich erfahre dadurch, wie die heutige Spielergeneration tickt und was sie bewegt“, erklärt er.

Informationen, die er als Sportmanager der Eintracht tagtäglich gebrauchen kann. Rund 70 Transfers musste Hübner bereits abwickeln, seit er im Sommer 2011 nach Frankfurt wechselte. Ein Sportmagazin ernannte ihn daher kürzlich zum „Transferkönig der Liga“. Hübner sieht das eher nüchtern. „Die Anzahl der Transfers spricht weder für, noch gegen die Qualität eines Sportmanagers. In Frankfurt waren wir sowohl nach dem Abstieg in die 2. Liga als auch im Sommer 2012 nach der direkten Rückkehr in die Eliteliga dazu gezwungen, den Kader grundlegend neu zusammenzustellen.“ Nicht wenige beäugten die Transfers von Hübner nach dem Bundesligaaufstieg mit einer gehörigen Portion Skepsis. Der Manager holte viele Spieler aus der 2. Liga oder Kicker, die bei ihren letzten Klubs als gescheitert galten. Das Ergebnis ist bekannt. Statt wie erwartet, um den Klassenhalt zu spielen, darf die Eintracht derzeit vom europäischen Geschäft träumen. „Dagegen wehren wir uns nicht. Nachdem wir schon sehr früh im Saisonverlauf ein sehr großes Polster zu den Abstiegsrängen aufbauen konnten, ist es jetzt nur richtig, sich neue Ziele zu setzen.“

Neben den kurzfristigen Ambitionen in dieser Saison muss Hübner die mittelfristige Entwicklung der Eintracht vor Augen haben. Mit den deutlich gestiegenen Ansprüchen im Umfeld des Klubs kann er umgehen. Auch Hübner selbst ist nicht der Typ, der sich mit dem Erreichten zufrieden gibt. Er betont, dass der Verein immer einen „konkreten Zukunftsplan haben muss.“ Nach Jahren im Abstiegskampf oder gar in der Zweitklassigkeit, will Hübner mit der Eintracht dauerhaft einen oder zwei Schritte nach vorne kommen. „Wir dürfen uns nicht mit Platz 12 bis 15 zufrieden geben. Gleichzeitig werden wir uns nur weiter entwickeln können, wenn es gelingt, die Finanzkraft der Eintracht weiter zu steigern.“ Hübner weiß, wovon er spricht und kann dabei sowohl von seinen Erfahrungen in Wehen als auch in der Industrie bei Brita zehren. In Wehen war er – wenn auch in anderen Dimensionen – mit in den Sponsoringbereich involviert. Bei Brita war er für den Vertrieb der Wasserfilter in Europa verantwortlich und musste sich auch hier an vorgegebene Budgets halten. Erfahrungen, die ihm bei seiner Arbeit bei der Eintracht ebenfalls weiter helfen.

Sehr hilfreich für die Weiterentwicklung der Eintracht wäre auch die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb, insbesondere natürlich die lukrative „Champions League“ – ein Begriff, der bei vielen Frankfurter Fußball-Fans noch vor wenigen Monaten nicht einmal im Sprachschatz vorhanden gewesen sein dürfte. Spiele auf internationalem Parkett würden es Hübner sicherlich auch vereinfachen, die bei der zahlungskräftigeren Konkurrenz ins Visier geratenen Spieler wie Sebastian Rode oder Sebastian Jung mittelfristig an die Eintracht zu binden. Wenn die Eintracht sich für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert, dürften indes einige weitere Transfers in der Bilanz von Hübner dazukommen. Fünf bis sechs erfahrene Spieler seien aus seiner Sicht nötig, um die mögliche Doppelbelastung aus Ligaalltag und europäischen Auftritten meistern zu können.

Die Zeit, um seine Jungs selbst im Stadion kicken zu sehen, dürfte für Hübner dann noch weniger werden. Für Hobbys außer Fußball bleibt dem Manager schon jetzt wenig Spielraum. „Wenn ich nicht mit der Eintracht beschäftigt bin, gehört die Zeit meiner Frau.“ Bei der nicht ganz ernst gemeinten Frage, wie sie es mit einem Mann als Fußballmanager und drei kickenden Söhnen aushält, kann sich auch Hübner ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Ich glaube, Sie hat sich sehr gut damit arrangiert und ist auch ein wenig stolz auf uns.“

Hübner wäre aber nicht Hübner, wenn er sich mit dem Erreichten zufrieden geben würde. „So unrealistisch oder utopisch dies auf Grund der finanziellen Dimensionen, mit denen die Spitzenklubs derzeit wirtschaften, auch sein mag. Einmal Deutscher Meister oder in der Champions League spielen - das wär´s“, verrät er. Doch sachlich und bodenständig wie Hübner ist, weiß er genau, dass vor ihm noch viel Arbeit liegt, bevor der Traum irgendwann einmal Wirklichkeit werden kann.