KSV Hessen Kassel - Konsolidierung vor Kapriolen

KSV Hessen Kassel-Konsolidierung vor Kapriolen 


Von Martin Batzel

KSV Hessen KasselDiese Szene wird Jörn Großkopf nicht vergessen. Sie spielt sich nur wenige Stunden nach seinem Arbeitsbeginn bei Hessen Kassel ab. An seinem ersten Tag gönnt er sich einen Blick in die Stadt, steht im Zentrum am Königsplatz, sechs Straßen münden hier, er ist Teil der Kasseler Fußgängerzone. Also ein Ort, an dem Fußball nicht unbedingt an erster Stelle steht. Und doch ist auch hier alles mit dem KSV Hessen Kassel verzahnt. Aus 50 Metern Entfernung rief eine Frau: „Herr Großkopf, viel Erfolg bei uns.“ Ob er eine ähnliche Situation auch als Spieler oder Trainer bei St. Pauli erlebt habe? „So etwas erlebst Du in Hamburg nicht.“ In Kassel aber schon. „Hier stehst du als Fußballer von Hessen Kassel voll im Fokus.“ Sagt Torwart Carsten Nulle.

Voll im Fokus – und das in einer Stadt mit etwa 190 000 Einwohnern, die alle fünf Jahre die weltweit bedeutendste Ausstellung für zeitgenössische Kunst, die „documenta“, ausrichtet. In der das Bundessozialgericht sitzt, der Hessische Verwaltungsgerichtshof, die hessische Landesfeuerwehrschule, die eine Universität bietet - und eben einen Fußball-Viertligisten mit Zweitligavergangenheit. Die Vergangenheit erklärt die Realität: „Die Leute lechzen nach höherklassigem Fußball“, sagt Kapitän Nulle. Das Problem: Regionalliga zählt auf Dauer nicht zur Kategorie höherklassig.

Hessen Kassel, das heißt für Großkopf nicht unbedingt, dass alles eine Nummer kleiner sein muss. Bei St. Pauli waren die Nachwuchsteams das Stiefkind des Vereins, 100 Zuschauer kamen zu den Heimspielen in der Regionalliga Nord/Nordost. In Kassel passt es für ihn – die Trainingsbedingungen, der Kader, die Umkleidekabinen. Auch die Gehälter seiner Spieler? Die kenne er nicht, behauptet er, und stellt die Gegenfrage: „Muss ich die kennen als Trainer? Ich bin der fachlich Vorgesetzte, nicht der Chef des Ganzen.“

Großkopf trainiert seit diesem Sommer die erste Mannschaft eines Vereins, der schon zweimal Pleite ging. Ganz formal gehalten sieht es so aus: Der Kasseler Sport-Verein Hessen wurde im Februar 1998 gegründet, ist gerade mal 15 geworden, steckt also in der Pubertät, erhält Ratschläge, was er lassen soll (finanziell Risiko gehen), bekommt gesagt, wie es früher war (zweite Liga, Kassel war dabei) und sucht noch seinen Weg. Der KSV ist der Nachfolgeverein des FC Hessen Kassel, welcher wiederum der Nachfolger des alten KSV Hessen Kassel war. Der alte KSV Hessen spielte zwischen 1980 und 1990 acht Jahre in der 2. Bundesliga und scheiterte mehrfach an den eigenen Hoffnungen und knapp am Aufstieg in die Bundesliga. Nach dem Konkurs 1993 wurde der FC Hessen gegründet, dessen Kasse vier Jahre später ebenfalls leer war und der aus dem Vereinsregister gelöscht wurde. Die unangenehmen Begleiterscheinungen wie Zwangsräumung der Geschäftsstelle und ausstehende Gehälter sind in der Erinnerung noch zu frisch, als dass sie in den Planspielen der Verantwortlichen keine große Rolle mehr spielten. Und der Neuanfang in der Kreisliga A natürlich auch. Ganz unten also.

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Regionalliga – Aufstieg trotz leerer Kasse

Regionalliga – Aufstieg trotz leerer Kasse


von Nico Porges

KSV-Baunatal Wenn man sich von der Rhein-Main-Neckar-Region auf den Weg in Richtung Baunatal macht, dann werden Erinnerungen wach. Dunkle Erinnerungen. Zumindest bei Männern, die noch ihren Dienst am Volk bei der Bundeswehr leisteten. Die unheilvollen Namen der Autobahnabfahrten entlang der A5 und der A7 wie Schwalmstadt, Schwarzenborn oder Fritzlar haben Generationen von jungen Menschen traumatisiert und tun es womöglich immer noch. Erst wenn man sich davon befreit, wird man der Region, die man gerade durchfährt, gerecht. Denn tatsächlich ist die nordhessische Gegend, mit der drittgrößten hessischen Stadt Kassel als Mittelpunkt, landschaftlich eine Augenweide. Wunderschöne waldreiche Mittelgebirge und beschauliche Dörfer mit viel Fachwerk gibt es zu bestaunen und auch sportlich gesehen ist Nordhessen kein weißer Fleck auf der Fußballlandkarte. Bestes Beispiel hierfür ist der KSV Baunatal. Dessen erste Mannschaft wurde letzte Saison Hessenmeister, gleichbedeutend mit dem Aufstieg in die Regionalliga Südwest.

Ein Mann,der sich dafür mitverantwortlich zeichnet, ist der Leiter der Fußballabteilung, German Jaeschke. An diesem Nachmittag im August sitzt er auf der Terrasse des Bistros in der KSV Sportwelt, der Zentrale des Gesamtvereins mit schniekem Fitnessstudio und Geschäftsstelle. Es ist heiß und unangenehm schwül, ein Gewitter liegt in der Luft. Jaeschke ist ein gefragter Mann, ständig klingelt sein Telefon. Einmal geht es um eine Dauerkarte für Sponsoren, ein anderes Mal um organisatorische Dinge rund um das nächste Regionalligaheimspiel. Es gibt viel zu tun, nachdem der KSV nun wieder in der vierthöchsten deutschen Spielklasse mitmachen darf. Jaeschke macht den Job wie die meisten seiner Mitstreiter ehrenamtlich, viel Herzblut und Leidenschaft ist dabei. Er selbst hat bereits in der Jugend beim KSV gespielt, seit dieser Zeit ist er dem Verein eng verbunden. Seit Februar 2013 ist er offiziell der erste Mann der Fußballer. Die erste Phase seiner Amtszeit hatte es in sich. Doch langweilig war es auch früher schon nicht. Der KSV Baunatal kann auf eine lange und abwechslungsreiche Historie zurückblicken. 1892 gegründet, damals noch als Turnverein unter dem Namen „Gut Heil“ in der Gemeinde Altenritte. Es folgten weitere Vereinsgründungen in den Ortsteilen Altenbauna und Kirchbauna, bis 1964 durch einen Zusammenschluss der heute bekannte Kultur- und Sportverein Baunatal e.V. entstand.

FC Alsbach - Das Ende des ChampagnerTraums – Die Hessenliga als Ziel

Das Ende des ChampagnerTraums – Die Hessenliga als Ziel

FC-AlsbachEin Mittwoch Ende April. Es ist später Nachmittag in Frankfurt-Rödelheim. Auf Menschen, die ihre Novemberdepression erfolgreich bis in den Frühling gerettet haben, könnte der graue Himmel durchaus ein wenig bedrohlich wirken - so tief hängen die Wolken über der Stadt. Die Geräuschkulisse, die auf der Sportanlage herrscht, ist hingegen das komplette Kontrast-programm. Ohne es gesehen zu haben, hört man sofort, dass hier etwas los ist. Hier tobt das Leben. Im wahrsten Sinne des Wortes. Würde das Brentanobad nebenan nicht noch im verlängerten Winterschlaf stecken, könnte man meinen, das typische Stimmengewirr käme von drüben, genauso wie der Geruch von Pommes Rot-Weiss.

Apropos Rot-Weiss. Schnell wird klar, wo die betriebsame Unruhe ihren Ursprung hat. Nämlich nicht am Kiosk auf der anderen Seite des Zaunes, sondern gegenüber auf dem Vereinsgelände von Rot-Weiss Frankfurt. Läuft man hinter der Haupttribüne des Stadions vorbei, in dem übrigens auch die Damen vom 1. FFC Frankfurt ihre Bundesligaspiele austragen, gelangt man schnell an zwei Fußballplätze. Während der Hauptplatz verwaist ist, wird auf dem gleich daneben liegenden Kunstrasen richtig geackert. Fünf Mannschaften trainieren gleichzeitig und wuseln scheinbar unkoordiniert durcheinander. Doch nach einigen wenigen Minuten des Zuschauens merkt man schnell, dass im Betrieb System steckt. Von der F- bis zur B-Jugend wird konzen-triert, aber mit viel Spaß und Engagement dem Training nachgegangen. An allen Ecken des Platzes geben die Übungsleiter Anweisungen, erklären, machen vor, kritisieren und loben. An Haar- und Hautfarbe lässt sich unschwer erkennen, dass hier auffallend viele Kinder aus den unterschiedlichsten Ländern ihrer Leidenschaft nachgehen.


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